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REDE anlässlich der Verleihung der Meisterdiplome am 17. November 2005 im IAWM Eupen.

Meine sehr verehrten Damen, sehr geehrte Herren, liebe Meisterschüler!

Auf der Preisverleihung des Treuhand Academy Award im Juni diesen Jahres begegnete mir eine Definition von „Bildung“, die ich Ihnen nicht vorenthalten möchte:

„Schulbildung ist etwas, das keinem schadet, vorausgesetzt er macht sich später die Mühe, etwas Ordentliches zu lernen.“

Dass der Erhalt eines Meisterdiploms der Nachweis dafür ist, etwas Ordentliches gelernt zu haben, steht gewiss außer Frage.

Ich darf Sie daher auch zum erfolgreichen Abschluss der Meisterprüfung ganz herzlich beglückwünschen. Sie haben eine wichtige Etappe für Ihre berufliche Zukunft erfolgreich zurückgelegt. Ich möchte jedoch betonen, dass nicht das Diplom, sondern das Gelernte, und vielmehr das, was Sie in Zukunft noch lernen müssen, das alles Entscheidende ist.

Als Steuer- und Unternehmensberater stehen wir selbst immer wieder vor Änderungen und Neuerungen, die wir zügig und sicher in unsere tägliche Beratungsarbeit einfließen lassen müssen. Das bedeutet ständiges Lernen, egal ob wir jung oder schon etwas älter sind.

Aus diesem Blickwinkel möchte ich Ihnen einige Qualifikationsanforderungen nennen, die aus meiner Sicht ganz entscheidend für eine erfolgreiche Berufstätigkeit sind.


1. Begeisterung für Ihr Handwerk, für Ihre Arbeit

Mit dem Ablegen der Meisterprüfung haben Sie gezeigt, dass Sie in Ihrem Beruf Verantwortung übernehmen wollen, sei es als Arbeiter in Ihrem bisherigen Betrieb oder als Selbstständiger, als Unternehmer. Es ist hinlänglich bekannt, dass Menschen, die sich voll und ganz mit Ihrer Tätigkeit identifizieren, erfolgreicher sind als diejenigen, die „nur“ Arbeiten, um Geld zu verdienen. Echte Begeisterung ist ansteckend, für Kollegen, Mitarbeiter und natürlich auch Kunden.


2. Lernwilligkeit, besser noch: Lernbegeisterung

Lernen und Wissen sind meines Erachtens zwar schon Werte an sich, wir sind uns alle jedoch auch im Klaren, dass Lernen handfeste Vorteile mit sich bringt, z.B.  höheres Einkommen, geringere Wahrscheinlichkeit des Arbeitsplatzverlustes, größere Entscheidungsfreiheit etc.

Sowohl aus unserer eigenen Erfahrung in unseren verschiedenen Büros als auch im Gespräch mit unseren Kunden stellen wir immer mehr fest, dass in unserer heutigen Gesellschaft eine gewisse Lern- und Leistungsmüdigkeit zunimmt. Auf der einen Seite geht die Bereitschaft zur Leistung zurück wobei gleichzeitig die Anforderungen des Arbeitsmarktes immer größer werden.

Das war im übrigen auch der Grund, warum die Treuhand-Gruppe den eingangs erwähnten Treuhand Academy Award ins Leben gerufen hat. Wir wollten einen bewussten Motivationsakzent setzen und beweisen, dass sich heute doch noch viele Schüler für das Lernen begeistern können und in der Lage sind, hoch gesteckte Erwartungen zu erfüllen. Die äußerst positive Resonanz der Schüler, Lehrer und Eltern der drei St. Vither Schulen haben uns in diesem Ansatz bestärkt. Kurze Randbemerkung: wir hatten das Projekt in einer ersten Phase auf St. Vith beschränkt, wollen dies jedoch in 2006 auf alle Schulen der DG ausweiten.  Ich möchte Ihnen vier kurze Stichworte nennen, die nach unserer Ansicht den Informations- und Weiterbildungsbedarf für Sie als Meister verdeutlichen:

a) Controlling

Controlling heißt vereinfacht ausgedrückt: mit Zahlen steuern (nicht unbedingt „kontrollieren“). Als Meister sollten Sie sich mit Kalkulationen, Maschinenstundensätzen, Budgetplanungen etc. auseinandersetzen können.  Auch sollten Sie sich ab und zu die Zeit nehmen, einen Blick in die Zukunft zu werfen: Stichwort „Strategie“.

b) Personalführung

Der Umgang mit Menschen ist oft eine Kunst für sich. Wann soll ich loben, kritisieren, delegieren, Entscheidungsfreiheiten einräumen etc.? Seien Sie offen, im Bereich „Menschenkenntnis“ vieles hinzuzulernen.

c) Marketing

Wenn ein Unternehmen gute Qualität abliefert, darf, nein: muss der potentielle Kunde das auch wissen. Oft stellen wir im Bereich Marketing eine Technikorientierte Sichtweise des Unternehmens fest. Der Kunde möchte aber Lösungen, Funktionen und Sicherheit. Das gilt es professionell zu kommunizieren.

d) Banking relationship

Hätte ich vor 5 Jahren eine kleine Rede zu den Qualifikationserfordernissen im Beruf halten müssen, wäre dieser Punkte vermutlich nicht dabei gewesen.  Heute hat sich das Verhältnis zwischen Unternehmen und Banken jedoch wesentlich verändert. Wer Kredite anfragt, sollte nicht nur einfach eine Bilanz abliefern, sondern ein Dossier vorbereiten bzw. mithilfe seines Steuer- oder Unternehmensberaters vorbereiten lassen. Wir sehen hier in Zukunft noch erheblichen Weiterbildungsbedarf für unsere Betriebe.


3. Unternehmerisches Denken

Bei diesem Begriff kommt es mir nicht darauf an, zwischen Unternehmern und Arbeitern zu differenzieren, sondern über die Art und Weise, Probleme zu sehen, zu analysieren und zu lösen. Unter unternehmerischem Denken verstehe ich - ein Unternehmen als Ganzes zu sehen, dass heißt z.B. sich nicht nur auf das Handwerkliche zu beschränken, sondern auch die oft als unproduktiv angesehenen Verwaltungsarbeiten nicht aus dem Auge zu verlieren - Mut zu haben, Entscheidungen zu treffen und diese dann auch beizubehalten, selbst wenn nicht jede Entscheidung immer richtig sein kann;

· An der Gewinnerzielung des Unternehmens interessiert zu sein, weil dies die beste Arbeitsplatz-, Standort- und Existenzsicherung ist. Man darf ruhig ein wenig stolz sein, wenn man erfolgreich ist. Aber bitte nicht vergessen: erst säen, dann ernten.

Wir aus der Wirtschaft möchten den Bildungsträgern für das Engagement und die Wissensvermittlung danken und Sie weiterhin ermutigen, stets an der Verbesserung der Qualität, dem Bildungsniveau und den persönlichen Qualifikationen der Schüler und auch Lehrer zu arbeiten.

Vielen Dank.

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